Update Analoges Schreiben

Im Oktober hatte ich darüber geschrieben, dass ich wieder „Back to the roots“ mehr analog schreiben möchte. Nach drei Monaten ist es jetzt Zeit für ein Update und einen Erfahrungsbericht.

Positives Schreibgefühl und Entschleunigung

In einer Welt, in der alles immer schneller und digitaler wird, entschleunigt das analoge Schreiben den Prozess sehr. Denn mit einem Stift bin ich einfach langsamer als mit der Tastatur. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, meine Finger sind schneller, als ich mit meinen Gedanken nachkomme.

Da ich nicht großartig plotte und nur einzelne Szenen im Kopf habe, entwickelt sich der restliche Teil beim Schreiben selbst. Wenn ich also etwas langsamer schreibe, haben meine grauen Zellen einfach mehr Zeit, sich über den nächsten Satz, die nächste Szene oder das nächste Kapitel Gedanken zu machen.

Insgesamt bin ich dadurch näher am Text.

Überarbeitung schon im Schreibprozess

Wenn ich am PC schreibe und mir eine Szene nicht gefällt, dann lösche ich sie einfach wieder raus. Analog überklebe ich den Abschnitt einfach und schreibe sie neu. So habe ich die alte Version noch, sollte ich später merken, dass ich damit doch zufriedener bin. Außerdem klebe ich Post-its auf meine Seiten, wenn mir im Verlauf auffällt, dass ich weiter vorne noch etwas erwähnen muss, damit es auch in sich logisch ist.

Ja, sicher kann ich auch die Kommentarfunktion im jeweiligen Schreibprogramm nutzen, aber meist schreibe ich mir dann auf einen Zettel „In Szene XY noch … einfügen“. Weil es einfach schneller geht, als in dem Dokument zu suchen. In meinem Heft finde ich die Stelle deutlich schneller, weil eben auch jede Seite anders aussieht (etwas durchgestrichen, dazugeschrieben, es klebt schon ein anderer Post-it) und ich bin ein sehr visueller Mensch. Kleiner Sidefact am Rande: Ich konnte mir in der Ausbildung Schaubilder sehr gut merken und wusste oft genau, wie die Seite ausgesehen hat.

Ich überarbeite quasi schon etwas während des Schreibprozesses und kann die Anmerkungen dann beim Abtippen direkt einbringen.

Heft mit handgeschriebenen Text, ein Post it klebt darauf und ein Teil ist mit einem weiteren Blatt überklebt
Post-it und korrigierte Stelle

Meine Augen freuen sich und der Einstieg ist leichter

Ich habe eine Hornhautverkrümmung und meine Augen sind sehr glücklich darüber, nicht mehr ganz so viel am Bildschirm zu arbeiten.

Außerdem fällt es mir wesentlich leichter, einfach mein Heft oder meinen Block aufzuschlagen und dann zu schreiben. Meist mit Musik im Hintergrund. Das habe ich auch während der Schule/Ausbildung oft gemacht und dadurch wurde Schreiben für mich zur Entspannung. Es gab vor vielen Jahren auf meinem Lieblingsradiosender – ja, Radio, ich bin alt – die „Nachtschicht“ mit einem sehr sympathischen Moderator. In den Ferien habe ich immer seine Sendung gehört und dann geschrieben, bis die Sonne aufgegangen ist.

Erste Anpassungen und der Stand von Zwischenwelten

Im Oktober habe ich zunächst damit begonnen, immer ein Kapitel zu schreiben und anschließend abzutippen. Das hat nicht funktioniert. Die Zeit zwischen dem Schreiben und der Überarbeitung war viel zu kurz und ich habe erst nach 30.000 Wörtern gemerkt, dass der Anfang bereits einen völlig falschen Grundstein für die Geschichte gelegt hatte.

Es ist nicht mal so, dass die Story an sich schlecht war, aber sie war eben nicht das, was ich wollte.

Also habe ich neu angefangen. Das ist bei mir tatsächlich nichts Besonderes und passiert gar nicht so selten. Im Moment bin ich bei drei Kapiteln und bin jetzt schon viel zufriedener damit.

Ich würde also sagen: to be continued … Und es wird irgendwann wieder ein Update dazu geben.